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Momente und Worte Logo für Freie Rednerin Nina Jahn

Trauerfeier - Kann man im Regen reden?

20. Sept.
2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 23. Sept.

Manchmal muss man sogar...


Andachtsplatz Waldfriedhof Springe mit Gedenkplatz: Blumen, Kerzen, Hirschfigur und Holzbank mit Fellbezug; ruhige, feierliche Stimmung.
Andachtsplatz Waldfriedhof Sophienhöhe Springe

Exakt zum Beginn der Trauerfeier am Waldfriedhof fängt es dermaßen an zu schütten. Keine kleinen Tropfen, kein kurzer Schauer, ein richtiger Regenguss, und wir sitzen und stehen mitten im Wald. Auf dem Andachtsplatz.


Ich stehe unter meinem transparenten Schirm, damit man mich noch sieht und der Schirm ist extra groß, damit ich ihn hoch halten kann und meine Rede ist trotzdem einigermaßen trocken.


Die Gäste dagegen sitzen auf Fellen auf den Bänken und ich kann sie kaum noch sehen unter ihren dunklen Schirmen, die sie sich so tief gezogen haben, dass sie fast nur noch das Prasseln der Tropfen auf den Schirmen hören.


Ich frage nach, ob man mich versteht.

Alle nicken, aber ich bin mir unsicher. Wir haben keine Chance uns unterzustellen oder zu verschieben, da die nächste Trauerfeier schon im Anschluß gebucht ist.


Ich mache weiter, auch wenn mein Kleid nass wird. Das ist egal, es geht ja nicht um mich, aber ich frage mich dennoch, ob die Emotionen meiner Rede und die Geschichten dazu auch wirklich ankommen.


Die Familie bedankt sich im Nachgang. Sie fanden die Rede wunderschön. Ich soll unbedingt noch mit zum Trauercafé kommen. Ich freue mich, dass sie mich einladen und fahre mit.


Am Kaffeetisch sitzen wir in kleiner Runde in einem separaten Raum im Café. Die Stimmung ist entspannt und mir kommt ein Gedanke, den ich mit der Familie teilen möchte. Ich sage:“Ich bin mir unsicher, ob alle die Rede wirklich mitbekommen haben. Jetzt sitzen wir hier zusammen. Es ist warm und trocken und alle sind wieder entspannt. Wenn Sie möchten, kann ich die Rede noch einmal vortragen.“

Die Familie freut sich:“Ja, das wäre sehr schön.“


Ich stehe also in diesem kleinen Café an der Kaffeetafel der Familie mit ihren engsten Verwandten und Freunden und trage die Rede noch einmal vor. Dieses Mal hören alle ganz genau zu. Ich sehe jedes einzelne Gesicht. Ich sehe Tränen und Schmunzeln. Es ist absolut still. Ich höre nur meine Stimme und die Geschichten der Familie. Es ist ein magischer Moment.


Zum Abschied bedankt sich die Familie erneut, dass sie es nochmal hören durften. Im Nachgang bekomme ich noch eine Email, wie schön es war, dass ich zum Kaffee geblieben bin und mir nochmal die Zeit genommen habe.


Trauerrednerin mit Regenschirm und Mikrofon
Foto nachträglich erstellt von @heiko_jahn_fotografie

Ich spüre diese große Dankbarkeit und spüre, wie unglaublich es sich anfühlt, Menschen zu begleiten und mit ihnen solche Momente zu erleben.


Ich bin glücklich, dass ich meinem Gefühl vertraut habe.

Bestimmt kommt es nicht oft vor, dass man eine Trauerrede beim Trauercafé nochmal einmal hört, aber genau so sollte eine Freie Trauerfeier sein. Es sollte egal sein, was sonst vorkommt. Wichtig ist nur, was der Familie in diesem Moment gut tut.

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